Das Lukasevangelium zeichnet das Bild eines Gottes, der sich erbarmt. Jesus erscheint als heilender Wanderprediger, der Grenzen überschreitet und sich Ausgestoßenen zuwendet. Gleichzeitig bewegt er sich in männlich dominierten Strukturen, umgeben von Jüngern, eingebettet in patriarchale Ordnungen.
Diese Spannung verstehen wir nicht als Widerspruch, sondern als produktive Ambivalenz: Wie wird Care in diesen Texten erzählt? Wer sorgt für wen – und mit welchen Folgen für Geschlechterverhältnisse?
Die Veranstaltung verbindet Konzepte der Caring Masculinities (Erich Lehner) mit einer gendersensiblen Exegese ausgewählter Lukas-Texte (Josef Pichler). Im Mittelpunkt steht Care als relationale Praxis, die sowohl befreiend wirken als auch neue Formen männlicher Hegemonie hervorbringen kann.
Die Teilnehmenden erweitern ihre feministischen Kompetenzen um eine männlichkeitskritische Perspektive. Intendiert ist eine didaktisch reflektierte Textlektüre, die im Religionsunterricht eingesetzt werden kann – ohne Harmonisierung, sondern mit Blick auf die Ambivalenzen biblischer Gender-Konstruktionen.